Studien zu Nukleotiden

Nukleotide und Immunsystem: Was sagt die Forschung? 

  • Wenn dein Körper sich gegen Erreger wehrt, vermehren sich Abwehrzellen in kurzer Zeit. Für jede neue Zelle braucht es Nukleotide, die Bausteine von DNA und RNA. Was sie genau sind, erklären wir auf unserer Seite Nukleotide. Hier fassen wir zusammen, was die Forschung zu Nukleotiden und dem Immunsystem herausgefunden hat und wo die Grenzen liegen. Das Wichtigste in Kürze
  • Nukleotide aus der Nahrung gelten als bedingt essenziell: Wenn Immunzellen sich schnell vermehren müssen, reicht die körpereigene Herstellung möglicherweise nicht aus.
  • Die stärkste Evidenz stammt von Säuglingen: Eine Meta-Analyse aus 15 Studien fand mit nukleotidangereicherter Nahrung bessere Impfantworten.
  • Bei erwachsenen Sportlern zeigten kleine Studien stabilere Abwehrwerte nach harter Belastung.
  • Tierstudien zeigen, wie Nukleotide im Immunsystem wirken könnten.
  • Ob Nukleotide im Alltag vor Infekten schützen, wurde nicht untersucht.
Immun & Cell + Nukleotide — Nukleotide mit Vitamin C & B12, Schweizer Premium-Qualität

STÄRKSTE EVIDENZ

Meta-Analyse aus 15 Studien mit Säuglingen

Forschende haben die Daten von 15 Studien zusammengefasst, in denen Säuglinge Formula mit oder ohne Nukleotide erhielten. So entsteht aus vielen Einzelergebnissen ein Gesamtbild.

wenigermehr Antikörper →

15 Einzelstudien, ein Gesamtergebnis

Schematische Darstellung, nicht die Originaldaten

15

Studien ausgewertet

Säuglinge

untersuchte Gruppe

3 Impfungen

Hib, Diphtherie, Polio

Meta-Analyse

höchste Studienstufe

Mehr Antikörper nach Impfungen

Mit Nukleotiden bildeten die Säuglinge mehr Antikörper als mit herkömmlicher Formula oder Muttermilch.

Weniger Durchfall

Die Autoren nennen weniger Durchfall als weiteren Nutzen, mit grösseren Effekten bei höherer Zufuhr.

SO LIEST DU DIE STUDIENÜBERSICHT

Nicht jede Studie hat dasselbe Gewicht. Bei jeder Arbeit geben wir deshalb den Studientyp und die untersuchte Gruppe an.

  1. Meta-Analyse

    Wertet die Daten mehrerer Studien gemeinsam aus. Gilt als besonders aussagekräftig.

    sehr hoch
  2. Randomisierte Studie

    Teilnehmende werden per Zufall auf Gruppen verteilt. So lassen sich Effekte am zuverlässigsten prüfen.

    hoch
  3. Review

    Eine Übersichtsarbeit, die den bisherigen Wissensstand zusammenfasst.

    mittel
  4. Pilotstudie

    Eine kleine Vorstudie, die erste Hinweise liefert, aber noch keine sicheren Schlüsse erlaubt.

    mittel
  5. Tierstudie

    Untersucht Tiere im Labor. Zeigt mögliche Mechanismen, lässt sich aber nicht direkt auf Menschen übertragen.

    erste Hinweise

Jetzt bist du bereit: Entdecke, was die Forschung über Nukleotide und das Immunsystem herausgefunden hat, und bilde dir selbst eine Meinung. Alle Quellen kannst du mit einem Klick im Original nachlesen.

1

GRUPPE 1 · STÄRKSTE EVIDENZ

Übersichtsarbeiten und Meta-Analyse

Was die Forschung insgesamt über Nukleotide und das Immunsystem zusammenträgt.

5Arbeiten
1Meta-Analyse
4Reviews
Diese Gruppe

Je höher, desto stärker die AussagekraftKlick auf eine Stufe, um zu den Studien zu springen

Nukleotide aus der Nahrung und die Immunfunktion

Kulkarni AD, Rudolph FB, Van Buren CT (1994). The role of dietary sources of nucleotides in immune function: a review. Journal of Nutrition 124(8 Suppl):1442S–1446S.PubMed ↗
Review
Nukleotide aus der Nahrung scheinen für die zelluläre Immunantwort wichtig zu sein, besonders wenn das Immunsystem stark gefordert ist.

Wirkungen auf Immunzellen, Darm und Leber

Carver JD (1994). Dietary nucleotides: cellular immune, intestinal and hepatic system effects. Journal of Nutrition 124(1 Suppl):144S–148S.PubMed ↗

  • Review
  • Tierdaten
  • Säuglinge

Bei Mäusen ging eine nukleotidfreie Ernährung mit schwächeren Anzeichen der zellvermittelten Immunität einher. Säuglinge, die Muttermilch oder nukleotidangereicherte Formula erhielten, zeigten mit zwei Monaten eine höhere Aktivität der natürlichen Killerzellen (NK-Zellen) als Säuglinge mit nicht angereicherter Formula.

Impfantworten bei nukleotidangereicherter Säuglingsnahrung

Gutiérrez-Castrellón P et al. (2007). Immune response to nucleotide-supplemented infant formulae: systematic review and meta-analysis. British Journal of Nutrition 98 Suppl 1:S64–S67.PubMed ↗

Meta-Analyse15 StudienSäuglinge

Die Auswertung von 15 Studien zeigte: Säuglinge mit nukleotidangereicherter Formula bildeten nach Impfungen gegen Hib, Diphtherie und Polio mehr Antikörper als Säuglinge mit Muttermilch oder herkömmlicher Formula. Als Hauptnutzen nennen die Autoren eine bessere Reifung des Immunsystems und weniger Durchfall, bei höherer Zufuhr mit grösseren Effekten.

Einordnung: Die stärkste Evidenz zum Thema, aber ausschliesslich bei Säuglingen.

Nukleotide im Immun- und Verdauungssystem

Hess JR, Greenberg NA (2012). The role of nucleotides in the immune and gastrointestinal systems: potential clinical applications. Nutrition in Clinical Practice 27(2):281–294.

PubMed ↗
Review

Die Autoren beschreiben Nukleotide aus der Nahrung als bedingt essenziell, wenn der Bedarf erhöht ist, etwa bei Wachstum, Verletzung oder Infektion.

Einordnung: Die Aussagen zu konkreten Vorteilen einzelner Nukleotide halten die Autoren selbst für begrenzt.

2

GRUPPE 2 · AM MENSCHEN UNTERSUCHT

Studien mit Menschen

Randomisierte Studien mit Säuglingen und erwachsenen Sportlern.

9Studien
5mit Säuglingen
4mit Sportlern

Je höher, desto stärker die AussagekraftKlick auf eine Stufe, um zu den Studien zu springen

ZIELGRUPPE

Säuglinge

5 Studien

Nukleotide, Durchfall und Immunantwort

Yau KI et al. (2003). Effect of nucleotides on diarrhea and immune responses in healthy term infants in Taiwan. Journal of Pediatric Gastroenterology and Nutrition 36(1):37–43.DOI ↗

Randomisierte StudieSäuglinge

Die Studie untersuchte bei gesunden Säuglingen in Taiwan, wie sich Nukleotide in der Formula auf Durchfallerkrankungen und die Immunantwort auswirken.

Ribonukleotide und Antikörperbildung

Schaller JP et al. (2004). Effect of dietary ribonucleotides on infant immune status. Part 1: Humoral responses. Pediatric Research 56(6):883–890.PubMed ↗

Randomisierte Studie Säuglinge
Die Studie untersuchte, wie sich Ribonukleotide in der Säuglingsnahrung auf die Antikörperbildung nach Impfungen auswirken.

Nukleotide und die Immunfunktion bei Säuglingen

Carver JD, Pimentel B, Cox WI, Barness LA (1991). Dietary nucleotide effects upon immune function in infants. Pediatrics 88(2):359–363.PubMed ↗DOI ↗

Studie mit MenschenSäuglinge

Die Studie verglich die Immunfunktion von Säuglingen mit Muttermilch, nukleotidangereicherter und herkömmlicher Formula. Mit Nukleotiden war unter anderem die Aktivität der natürlichen Killerzellen höher.

Wachstum und Immunfunktion bei Säuglingen

Hawkes JS, Gibson RA, Roberton D, Makrides M (2006). Effect of dietary nucleotide supplementation on growth and immune function in term infants. European Journal of Clinical Nutrition 60(2):254–264.PubMed ↗DOI ↗

  • Randomisierte Studie
  • 200 Säuglinge
Gesunde Säuglinge erhielten Formula mit 33,5 mg/l oder 10 mg/l Nukleotiden. Nach 7 Wochen unterschieden sich Wachstum und Immunmarker nicht. Nach 7 Monaten waren die Antikörper gegen die Tetanus-Impfung in der Nukleotid-Gruppe höher, gegen Hib gab es keinen Unterschied.
Einordnung: Die Autoren bezeichnen die Verbesserung selbst als bescheiden.

Impfantworten bei Säuglingen über ein Jahr

Pickering LK et al. (1998). Modulation of the immune system by human milk and infant formula containing nucleotides. Pediatrics 101(2):242–249.PubMed ↗DOI ↗

  • Randomisierte Studie
  • 311 Säuglinge
  • 12 Monate

Gesunde Säuglinge erhielten ein Jahr lang Formula mit oder ohne Nukleotide, eine dritte Gruppe wurde gestillt. Mit Nukleotiden fiel die Antikörperbildung nach den Impfungen gegen Hib und Diphtherie stärker aus. Gestillte Säuglinge hatten dafür höhere Antikörperwerte gegen Polio.

ZIELGRUPPE

Erwachsene Sportler

4 Studien

Immunmarker nach hartem Training in der Kälte

Riera J, Pons V, Martinez-Puig D, Chetrit C, Tur JA, Pons A, Drobnic F (2013). Dietary nucleotide improves markers of immune response to strenuous exercise under a cold environment. Journal of the International Society of Sports Nutrition 10:20.DOI ↗

  • Randomisierte Studie
  • doppelblind, Placebo
  • Sportler
  • 4 Wochen
Sportler nahmen vier Wochen lang ein Nukleotid-Präparat oder ein Placebo und absolvierten danach eine erschöpfende Belastung in der Kälte. Nach der Belastung sanken die Lymphozyten in beiden Gruppen, erholten sich mit Nukleotiden aber schneller. Auch die Vermehrungsfähigkeit der Lymphozyten war in der Nukleotid-Gruppe höher.

Sublinguale Nukleotide und Abwehrwerte

Ostojic SM, Obrenovic M (2012). Sublingual nucleotides and immune response to exercise. Journal of the International Society of Sports Nutrition 9:31.DOI ↗

  • Pilotstudie
  • doppelblind, Placebo
  • 38 Männer
  • 14 Tage

Gesunde Männer zwischen 20 und 25 Jahren nahmen 14 Tage lang 50 mg Nukleotide unter der Zunge oder ein Placebo. In der Nukleotid-Gruppe stiegen das Immunglobulin A im Blut sowie Zahl und Aktivität der NK-Zellen, und der Abfall der Abwehrstoffe im Speichel nach Belastung fiel geringer aus.

Einordnung: Kleine Gruppe, nur junge Männer, und die Nukleotide wurden unter der Zunge statt geschluckt eingenommen.
TRANSPARENZ

Studien mit Beteiligung von Dr. Peter Köppel

2 Studien
Dr. Peter Köppel

Dr. Peter Köppel

Entwickler der Nukleotid-Rohstoffe, Pro Bio

Die folgenden zwei Studien entstanden unter Mitarbeit von Dr. Peter Köppel (Pro Bio), der die verwendeten Nukleotid-Rohstoffe entwickelt hat. Wir weisen darauf hin, damit du die Ergebnisse selbst einordnen kannst.

Stresshormone und Abwehr bei intensiver Kurzbelastung

Mc Naughton L, Bentley D, Koeppel P (2007). The effects of a nucleotide supplement on the immune and metabolic response to short term, high intensity exercise performance in trained male subjects. Journal of Sports Medicine and Physical Fitness 47(1):112–118.PubMed ↗

  • Randomisierte Studie
  • Placebo
  • 30 trainierte Männer
  • 60 Tage

Die Teilnehmenden erhielten 60 Tage lang ein Nukleotid-Präparat, ein Placebo oder nichts und absolvierten einen zweiminütigen Maximaltest. Nach der Einnahmezeit war das Stresshormon Cortisol nach der Belastung in der Nukleotid-Gruppe tiefer als in den beiden anderen Gruppen. Gemessen wurde auch das Speichel-IgA.

Einordnung: Kleine Studie, Mitautor ist der Entwickler der Rohstoffe.

Speichel-IgA und Cortisol bei Ausdauerbelastung

Mc Naughton L, Bentley DJ, Koeppel P (2006). The effects of a nucleotide supplement on salivary IgA and cortisol after moderate endurance exercise. Journal of Sports Medicine and Physical Fitness 46(1):84–89.

PubMed ↗
  • Studie mit Menschen
  • Placebo
  • 14 trainierte Männer
  • 60 Tage
Die Teilnehmenden fuhren vor und nach 60 Tagen Einnahme 90 Minuten Velo. Das Speichel-IgA sank nach der Belastung in beiden Gruppen. Das Cortisol nach der Belastung war nach der Einnahmezeit in der Nukleotid-Gruppe dagegen deutlich tiefer als unter Placebo.
Einordnung: Sehr kleine Gruppe von 7 Personen pro Gruppe, Mitautor ist der Entwickler der Rohstoffe.
3

GRUPPE 3 · GRUNDLAGENFORSCHUNG

Tierstudien

Wie Nukleotide im Körper wirken könnten.

Einordnung: Tierstudien zeigen mögliche Wirkmechanismen. Ob sich die Ergebnisse auf Menschen übertragen lassen, ist offen.
3Studien Mäuseals Modell 1986–1997Zeitraum
Je höher, desto stärker die AussagekraftKlick auf eine Stufe, um zu den Studien zu springen

Nukleotidarme Ernährung und bakterielle Infektionen

Kulkarni AD et al. (1986). Influence of dietary nucleotide restriction on bacterial sepsis and phagocytic cell function in mice. Archives of Surgery 121(2):169–172.PubMed ↗
TierstudieMäuse

Mäuse ohne Nukleotide im Futter waren in dieser Studie anfälliger für eine Infektion mit Staphylococcus aureus, und ihre Fresszellen arbeiteten schwächer als bei Mäusen mit Nukleotiden.

Einordnung: Tierstudie. Ob

Nukleotide bei Mangelernährung

Pizzini RP et al. (1990). Dietary nucleotides reverse malnutrition and starvation-induced immunosuppression. Archives of Surgery 125(1):86–90.PubMed ↗

  • Tierstudie
  • Mäuse

Bei Mäusen, deren Immunsystem durch Hunger oder Proteinmangel geschwächt war, stellte die Zugabe von Nukleotiden die Immunreaktionen wieder her, stärker als Kalorien und Protein allein.

Einordnung: Tierstudie unter Mangelbedingungen, nicht übertragbar auf gesunde Menschen.